Der Denglische Paciente: ¡Otra vez lo que aprendí!

Translating…

Ist es eigentlich schlimm, dass wir uns in allen Lebenslagen bemühen, Englisch zu sprechen? Unser Kolumnist ist längst ein Fan der alltäglichen Zweisprachigkeit – solange wir nicht absichtlich unseren typischen Nonsens verbreiten.

Falls Sie sich fragen, wozu diese Sprachkolumne dienen soll, erlauben Sie mir als zuständiger Autor eine Gegenfrage: Welcher der folgenden Sätze ist verständliches Englisch?

1. Peter’s column offers useful take-aways.
2. Peter’s column offers useful insights.
3. Peter’s column offers useful learnings.

Vielleicht ahnen Sie es – und vielleicht wissen Sie es auch: Den ersten Satz kann man bedenkenlos mitnehmen. Mittake-awaywerden schließlich nicht nur Pizzas und andere Mahlzeiten zum Mitnehmen beschrieben, sondern auch geistige und praktische Erkenntnisse, vor allem in den USA. Eingefleischte Briten (mit einer wahrscheinlich angeborenen Aversion gegen Amerikanismen) ziehen die zweite Variante vor:useful insights, die nützlichen Einblicke, die man aus Artikeln oder Vorträgen gewinnt. Je gewichtiger sie sind, desto eher ist vonkey insights(oderkey take-aways) die Rede. Auch könnte man sagen:I have learned a lot from this column.Oder:I haven’t learned anything …

Bloß von “learnings” würde niemand sprechen! Jedenfalls dann nicht, wenn er oder sie mit der englischen Sprache groß geworden ist. Das mag Sie überraschen, schließlich vergehen kaum noch Tage, an denen wir nicht irgendein “Learning” verzeichnen. Tatsächlich aber bringt der dritte Satz nicht mehr zum Ausdruck als die pseudoenglischen Lehren, die deutschsprachige Menschen ziehen: unsere Damen und Herren Unternehmer und ihre Berater, unsere Politiker und Diplomaten, unsere Forscher und Studenten. Sie streben andauernd nach “Learnings” – und haben auf der internationalen Bühne doch nicht mehr als denglisches Kauderwelsch in der Hand. Es ist ein typischer Patzer Denglischer Patienten.

Eine sprachliche Erfindung aus Deutschland hat inzwischen dank Aldi und Lidl in der ganzen Welt Karriere gemacht: der discounter! Er hat die guten alten “discount stores” und “discount shops” abgelöst und bekam vor zwei Jahren sogar einen eigenen Eintrag im “Oxford English Dictionary”.  

Pony – beim Friseur oder auf dem Reiterhof?

Auch mir passiert es übrigens immer wieder, dass ich Wörter verwende, die im Englischen eine andere Bedeutung haben. Das “Handy” ist mir zwar noch nicht herausgerutscht. Aber dafür der “Pony”, um den Haarschnitt meines Sohns zu beschreiben. Der Friseur in New York musste damals glauben, dass ich ihm was vom Pferd erzähle. Damit er mich versteht, hätte ich “fringe” sagen müssen – und in den USA noch besser “bangs”: His fringe was so long it was almost in his eyes. 

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*Datenschutz

Der Pony ist eines von vielen sogenannten “Falschen Freunden”. So wissen schon – “Smoking”, “Beamer”, “Telefonjoker”, die man mit tuxedo, projector oder phone-a-friend lifeline übersetzen muss. Oder “act”, “lust”, “pregnant” … um ein paar Beispiele aus der zweideutigen Schublade zu nennen. In meinenBüchernfinden sie zahlreiche weitere Beispiele. Erst neulich stieß ich auf ein neues Exemplar: razzia. Im Englischen ist es der Beutezug der Verbrecher, aber niemals ein Einsatz der Polizei. Er wird als raid oder crackdown bezeichnet. 

Auch die besonders tückischen “Superfalschen Freunde” habe ich schon erklärt. Das sind Wörter, die es gar nicht gibt, obwohl sie gerade für unsere vermeintlich gebildeten Schichten so wirken. “Ich habe Ischias” ist so ein Beispiel. In den Ohren englischsprachiger Menschen muss es klingen muss wie “I have itchy arse/ass” – Kratzarsch! Verständlich wäre hingegen “sciatica”.

Ass oder ass, das ist hier die Frage

Apropos “ass”. Kennen Sie die Quartett-Kartenspiele aus Altenburg mit dem Namen “Top Ass”? Gemeint ist damit selbstverständlich kein Superhintern, sondern das Ass, das man vielleicht im Ärmel hat:the ace up one’s sleeve.Doch was sollen wir nun von einer Fahrradversicherung halten, die sich “Bike-Ass” nennt? Ich kann mir nicht helfen: Ich stelle mir Ärsche vor – auf Fahrradsatteln. Und ich bin bestimmt nicht der Einzige, dem es so geht.

Das stellt mich als Denglischer Patient vor ein ganz neues Problem. Ich frage ich mich, wer hier krank ist: ich mit meinen Vorstellungen – oder diejenigen, die sich diese dreckige Werbung absichtlich ausgedacht haben? Andererseits: Warum sollen nur Englischlehrer und -kolumnisten mit sprachlichen Tücken und Spitzfindigkeiten Geld verdienen? Der Anbieter der Versicherung weist unterdessen darauf hin, dass es sich um eine Abkürzung von “Assekuranz” handelt. Ass so! Na dann … Learning hin oder her – mal wieder gilt:Lesson learned!Das ist übrigens astreines Englisch.

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